Konzert in der Erlöserkirche!

Heute war schon unser letzter ganzer Tag in Israel/Palästina. Weil unsere Ausflugsziele heute nicht so weit von unserer schönen Herberge in Beit Jala entfernt lagen, durften wir „ausschlafen“,  bis 6:45 Uhr! Wir wurden von Regen und eiskalten Duschen begrüßt, hatten wie immer ein tolles Frühstück und sind danach aufgebrochen nach Bethlehem, wo Jesus geboren sein soll.

Schon vor der Fahrt brach die Wolkendecke teilweise auf, und der Regen wurde nach und nach von hellem Sonnenschein abgelöst. Nach sehr kurzer Fahrt durch ungewohnt steile und schmale Straßen und an Sturzbächen vorbei, die sogar Gullies überfluteten,  gelangten wir zur Geburtskirche. Die Geburtskirche wurde gerade stark besucht, weswegen wir die Basilika als Ganze sowie die Geburtsgrotte nicht besichtigen konnten. Doch nur vom Hauptraum wurden wir von sehr viel goldenem Prunk, Schmuck, farbenfrohen Mosaiken und (mal wieder) touristischen Mengen überrascht – so hatten wir uns den „heiligen Stall“ eigentlich nicht vorgestellt.
Als Ersatz besuchten wir auf der anderen Seite des zentralen Platzes eine Moschee – die Besichtigung des mit Teppich ausgelegten Raumes war für viele eine neue Erfahrung.
Danach fuhren wir zum Herodion, wo der König Herodes begraben worden sein soll. Die Form des „künstlich aufgeschütteten Berges erinnert an eine weibliche Brust“ (Zitat Herr Rösel nach Josephus), doch als wir den Hügel erklommen hatten, offenbarte sich uns etwas völlig anderes: Faktisch befanden wir uns in der sogenannten „Area C“, also einem besonderen Gebiet von Palästina. Doch wir konnten sehen, wie die Israelis mithilfe illegaler Siedlungen, die von ihrer Armee bewacht werden, probieren Pälastina von innen heraus zu verkleinern. Die Siedlungen bestehen erst aus Blechcontainern, welche später durch feste Häuser ersetzt werden. Diese werden auf palästinensischen Privat-  und sogar Kirchengrundstücken errichtet und ihren Besitzern einfach aberkannt. Davon waren wir echt erschüttert, aber dankbar, diese fremden Handlungen mal live sehen zu dürfen.
Zur Mitte des Tages besuchten wir „Abrahams Zelt“.  Dort erlebten wir zum ersten Mal die Kinder des Landes. Wir wurden fröhlich begrüßt und bekamen eine Erklärung über die Arbeit der christlichen Initiative vor Ort. Rund vierzig muslimische  Kinder werden dort nach der Schule und samstags betreut – Ziel ist es, den Kindern Spaß und Zukunft zu schenken, sie teilweise von der Straße zu holen und vor Radikalisierung zu schützen. Danach schaukelten und spielten wir mit den Kindern Fußball – toll, dass Spiele wie diese es immer wieder schaffen, Menschen auch nur für kurze Zeit zu verbinden. Alle hatten riesigen Spaß und wir lachten und schrien zusammen – nur die einst schwarzen „Konzertschuhe“ hatten nun eine recht bräunliche Farbe angenommen.
Zurück nach Jerusalem ging es diesmal auf dem Weg, den angeblich auch die „Drei Heiligen Könige“ damals beschritten hatten. Dort angekommen verbrachten wir die Zeit mit einer Probe und Schlendern auf dem Basar.
Nach der Probe erlebten wir ein Gespräch mit dem Propst Schmidt, der als Austauschpfarrer aus Süddeutschland schon seit fast 6 Jahren in der deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinde Jerusalems tätig ist. Wir unterhielten uns ausführlich über Themen wie den Austausch zwischen den christlichen Konfessionen, dem allgemeinen interreligiösen Dialog und der politischen Situation in Jerusalem und Palästina.
Um halb Sieben gab es Falafel im Pitabrot für alle, und schon bald hieß es, sich für das anstehende „Abschlusskonzert“ bereit zu machen. Frau Göttsche, die Frau des Komponisten, der nur für unseren Chor die Vertonung des 84. (Pilger-)Psalms verfasst hatte und seit 5 Jahren hier in Jerusalem lebt, berichtete nach dem Konzert davon, dass sie noch nie solch ein konzentriertes und begeistertes Publikum erleben konnte, sondern dass eigentlich  eine eher unaufmerksame Zuschauerschaft üblich ist. Und nun können wir alle nicht nur auf ein erfüllendes Singen im Konzert mit großartiger Musik, berührten Besuchern sowie beglückten Chorsängern zurückblicken, sondern ebenso auf eine Woche voll von neuen Erkenntnissen, lieben und neuen Freunden und zahllosen einzigartigen Eindrücken von Kultur, Menschen und Natur. Dass wir das alles gemeinsam mit unserer Chorgemeinschaft erleben durften, ist für jeden von uns ein großes Glück und Geschenk.

Von Friederike und Marlene