Ein ziemlich geiler Mix

Angeblich gewöhnt man sich an die Rufe des Muezzins nach drei Tagen: diese Aussage können die meisten von uns nun bestätigen, obwohl wir zu Anfang sehr daran gezweifelt haben. Trotzdem war es nicht ganz einfach, für unseren Tagesausflug schon eine Stunde früher, um 6.00 Uhr, aufzustehen.

Nachdem wir uns mit einem leckeren Frühstück gestärkt hatten, ging es mit unserem einheimischen Busfahrer Mohammed los Richtung Jericho. Die Fahrt führte durch die Wüste  vorbei an Beduinensiedlungen, welche aus Blechhütten, ehemals Zelten, bestehen, erstaunlich nah an den Straßen und doch so fernab von der Gesellschaft. Wir fuhren immer weiter unter den Meeresspiegel, sahen Kamele, Schafe und Ziegen, welche teilweise von kleinen Jungen gehütet wurden, durch eine atemberaubende Berglandschaft.

Dank eines Missverständnisses mit Mohammed über unser Ziel  gelangten wir in die älteste Stadt mit dauerhafter Besiedlung der Welt, Jericho. Ein glücklicher Zufall entführte uns in eine ganz andere Welt, paradoxerweise wurden wir gleich beim  Eingang der Stadt mit einem Wasserpark mitten in der Wüste begrüßt. In dieser Oase gab es viele Palmen, Obststände, Pferde- und Eselkarren und Ruinen zu entdecken.

Unser eigentlich erster Punkt auf dem Tagesplan war der Jordanfluss, welcher allen als Taufstelle Jesu bekannt sein sollte. Er wurde unseren Vorstellungen von einem breiten, klaren, reißenden Fluss und einem spirituellen Ort nicht wirklich gerecht. Stattdessen ist der Jordan schmal, trüb und mittlerweile vorzugsweise eine Touristenattraktion und markiert die Grenze zwischen Israel und Jordanien, weshalb auch die gegenüberliegende gespiegelte Seite von Soldaten bewacht wurde. Trotzdem ist der Jordan ein wichtiger Bezugspunkt für Pilger, welche dort mit einem Hemd in den Fluss steigen. In diesem mit Jordan Wasser getränkten Hemd wollen die Pilger nach ihrem Tod begraben werden. Ähnliche Erfahrungen hat einst der Pastor aus Mecklenburg berichtet.

Von dort aus ging es an der Küste des Toten Meeres entlang weiter nach Masada, begleitet von einer unglaublichen Aussicht aus dem Bus auf das steinige Gebirge unter blauem Himmel, unterbrochen von Dattelpalmplantagen und Löchern des absackenden Bodens. Bei Masada handelt es sich um die ehemalige Festung von Herodes auf einem Felsenplateau. Der Witz an der Sache ist, was einst schon die Römer versuchten, diesen Berg zu erklimmen. Für den Aufstieg mit 250 Höhenmetern brauchten die Normalsterblichen 40 Minuten, einige Jungs stellten sich mit ihrem Chorleiter  der Challenge und bezwangen den Berg innerhalb von 20 Minuten. Der Weg erinnerte stark an die Singwanderungen, auch aufgrund der glühenden Hitze, welche jedoch zum Glück durch immer wieder aufkommenden Wind gelindert wurde. Wir wissen nun die kleinen Erhebungen gegen dieses staubige und steinige Höhenmonster zu schätzen.

Oben angekommen erwartete uns als Belohnung 1 nicer Ausblick, wobei das Salz am Ufer des Toten Meeres wie ein karibischer weißer Sandstrand aussieht. Besonders beeindruckend wirkte auf Heinrich das Badehaus mit der Wand- und Fußbodenheizung, sowas hätte man doch auch gerne zuhause.

Ganz „wie im Orient“ planten wir spontan um und fuhren direkt an den tiefsten natürlichen und zugänglichen Ort der Erde, anstatt noch einen Zwischenstopp in En Gedi einzulegen. Da es ein sehr touristischer Ort ist, bezahlten wir trotz Gruppenrabatt 35 Schekel, jedoch ist es die Erfahrung wert: das Bild des zeitunglesenden Mannes, der entspannt im Toten Meer liegt, war uns durchaus vorher schon bekannt, doch dass es so gut funktionieren würde, überraschte uns sehr. Dieses Erlebnis auf 500 Metern u.d.M. könnte sich in Zukunft als schwieriger gestalten, da der Meeresspiegel jährlich um ca. einen Meter sinkt. Laut Fraya haben wir unserer Haut etwas Gutes getan, indem wir nicht nur auf dem heilenden Wasser rumlagen, sondern uns auch mit Schlamm vom Meeresboden eingerieben haben, welches als Maske fungierte.

Bevor wir wie immer eine solide und leckere Mahlzeit im Hotel bekamen, was Gabi und Dobby freute, fuhren wir mit den von der untergehenden Sonne erleuchteten rötlichen  jordanischen Bergen im Rücken wieder zurück nach Beit Jala.

Von Helene und Laura