Ein Chor und ein Kamel in Jerusalem – Überwältigung pur!

4.45 Uhr:  Lauter orientalischer Gesang riss uns aus unseren Träumen. Der Muezzin rief zum Morgengebet – dieses ungewohnte Erlebnis wird uns nun jeden Morgen begleiten. Nachdem der eine oder die andere noch ein paar Stunden Schlaf erhaschte, erwartete uns ein leckeres Frühstücksbuffet.

8.30 Uhr stiegen wir in den Bus, der uns zunächst an einem kleinen Straßenladen entlud, welchen wir stürmten, um Wasser zu kaufen.  Anschließend führte uns unser Weg zu dem Ölberg, wo unsere Jerusalem-Tour begann.  Die Aussicht auf die Stadt war atemberaubend und für viele ein Highlight des Tages,  aber auch von einem Esel und einem Kamel (die für einen Ritt gebucht werden konnten), wurden Fotos geschossen. Weiter ging es vorbei an einem Friedhof mit Knochenkisten aus der Römerzeit zur Kirche Dominus Flevit und danach in den unerwartet kleinen Garten Getsemane mit seinen uralten Olivenbäumen.

In der Anna-Kirche nutzten wir die außergewöhnliche Akustik, um einige unserer liebsten Lieder zu singen, was bei vielen für Gänsehaut sorgte. Direkt neben der Kirche beeindruckte uns die Ausgrabungsstätte der Teiche Betesda. An diesem Ort fand der Überlieferung nach die Heilung des Lahmen durch Jesus statt.

Eine Vielfalt von Gerüchen, Farben und Klängen begleitete uns auf dem Bazar in der Via Dolorosa, jedoch konnten wir uns nicht lange aufhalten, da die Grabeskirche uns erwartete. Dieses kunstvolle Bauwerk mit seinen prächtigen Mosaiken hinterließ einen bleibenden Eindruck, doch nach einer halben Stunde konnten wir unser Magenknurren nicht mehr ignorieren.

Mit gefüllten Bäuchen genossen wir danach den Blick vom Tempelberg auf den gegenüberliegenden Ölberg, bevor wir einen weiteren Höhepunkt des Tages in Angriff nahmen: den Hiskija-Tunnel. Dieser 2800 Jahre alte Tunnel sollte die Wasserversorgung in Kriegszeiten sichern. Nachdem wir in kürzere Beinkleider geschlüpft waren und uns unserer Schuhe entledigt hatten, stiegen wir mit Sack und Pack in die enge und nasse Tiefe. An manchen Stellen erreichte das Wasser eine Höhe von 70 cm und wir mussten uns sehr schmal und kurz machen, um nicht stecken zu bleiben. Die Enge und Dunkelheit sorgten bei einigen für eine starke Beklemmung, die wir schließlich mit Gesang überwanden. Nach 520 Metern endete der Tunnel und wir erblickten erleichtert und begeistert von dem Abenteuer den Himmel, mehr oder weniger trocken.

Als nächstes gingen wir zu der Westmauer, auch bekannt als Klagemauer. Hinter der Sicherheitskontrolle wurden wir zuerst von einer militärischen Zeremonie der jungen Wehrdienstleistenden abgelenkt, für uns ein sehr ungewohntes und etwas verstörendes Bild. An der Mauer nahmen wir uns zwar Zeit, diese Pilgerstätte wahrzunehmen und Gebete zu formulieren, jedoch fühlten wir uns dabei fremd und vielleicht sogar fehl am Platz zwischen den einerseits posierenden Touristen und den andererseits vertieften gläubigen Juden.

Nach dieser eindrucksvollen Tour setzten wir uns erschöpft in den Bus und genossen in der Herberge eine kurze Pause vor dem schmackhaften Abendessen. Den Tagesausklang bildete ein spannendes Gespräch mit dem Herbergsleiter Naim Muallem, der uns von seinem Leben und seiner Arbeit in der lutherischen Gemeinde Bethlehems erzählte und auch unsere Fragen ausführlich beantwortete. Nachdem wir diesen Tag noch einmal kurz Revue passieren ließen und unserem Geburtstagskind ein Geschenk überreichten, verabschiedeten wir uns glücklich und müde in die Nacht.

Von Koko, Liesa und Maja